Fernwärme: Daten und Fakten - Der Kampf um gerechte Preise

1971 bis 2002 - Der Erbbauvertrag

Seit dem Jahr 1971 sind über 4000 Schwalbacher Fernwärmekunden an die RWE, früher an die Rechtsvorgängerin Esso – Favorit gebunden. Grundlage war ein Erbbauvertrag aus dem Jahr 1971, in dem die Nassauische Heimstädte (NH) es der ESSO AG erlaubte, hier bis zum Jahr 2002 ein Fernheizwerk zu betreiben.

Alle Haushalte im Versorgungsgebiet sind rechtlich gezwungen, ihre Wärme vom Kraftwerksbetreiber zu beziehen. Im Erbbauvertrag war vorgesehen, dass der Vertrag verlängert werden kann, wenn der Versorger einen „wettbewerbsfähigen Preis“ anbietet. Aber diese Voraussetzung war zu keinem Zeitpunkt gegeben: Die in Schwalbach geforderten Fernwärmepreise lagen auch im Jahr 2002 deutlich über dem Wettbewerbspreis.

2002 bis 2011 - Die Preise

Die RWE verlangt nach Feststellungen der Interessengemeinschaft Fernwärme (IG Fernwärme) in Schwalbach durchschnittlich knapp 160 Euro je MWh, der „wettbewerbsfähige Preis“ liegt aber bei 85 Euro (Berechnung der Stadt Schwalbach). Fast alle Fernwärmekunden haben also seit dem Jahr 2002 mehrere Tausend Euro zu viel bezahlt. Über 200 Fernwärmekunden haben sich in der IG Fernwärme zusammengefunden und bezahlen nun nur noch den normalen wettbewerbsfähigen Preis. Der liegt für die meisten um über 40 % unter den alten Rechnungsbeträgen.

Ein Kartellverfahren wurde bereits im Jahr 2007 durch den damaligen Bürgermeister Seel eingeleitet. Unter dem Druck des Kartellverfahrens und der Auseinandersetzung mit der IG Fernwärme hat die RWE die monatlichen Abschlagszahlungen mittlerweile um 20% reduziert.

2008 bis 2011 – Die Auseinandersetzung mit der RWE

Auf Initiative der Grünen wird das Kartellverfahren seit Januar 2008 durch Anwälte der Stadt juristisch unterstützt, verhandelt die Stadt mit der Nassauischen Heimstätte über wettbewerbsfähige Preise und über den Erwerb des Heizwerkgrundstücks – mit samt des darauf stehenden Kraftwerks. Den Argumenten der IG Fernwärme konnte sich zum Schluss auch die Bürgermeisterin nicht entziehen: Die Stadt ist jetzt Mitglied der Interessengemeinschaft und spart dadurch ungefähr 100.000,- Euro Fernwärmekosten im Jahr.

Die Grünen machen bereits seit Sommer 2009 darauf aufmerksam, dass Fernwärmerechnungen nur unter Vorbehalt gezahlt oder gekürzt werden sollten und sie haben mit öffentlichen Informationsveranstaltungen die Gründung der IG Fernwärme unterstützt. Dass das Erbbaurecht und das Vorkaufsrecht für den Betreiber schon im Jahr 2002 erloschen sind, hat der von der Interessengemeinschaft beauftragte Anwalt schon nach kurzer Recherche im letzten August festgestellt.

Gelegentliche Meinungsunterschiede zu Bürgermeisterin Augsburger waren wohl unvermeidlich: Der trotz des laufenden Kartellverfahrens noch Anfang 2010 abgeschlossene Sponsorenvertrag mit der RWE über einen Architektenwettbewerb war zu kritisieren ebenso wie der erstaunliche Umstand, dass Frau Augsburger als Kämmerin viel zu lange die von der RWE geforderten „Mondpreise“ bezahlt hat. Kritisch ist auch, dass sie immer wieder allzu viel Verständnis aufbringt für die Nassauische Heimstätte, die gerade drauf und dran ist, vor einem Verkauf des Grundstücks an die Stadt rasch noch ein neues Erbbaurecht für die RWE zu vergeben – was die Verhandlungsposition der Stadt erheblich schwächen würde.

Worauf es jetzt ankommt

Die NH muss das Grundstück an die Stadt verkaufen - ohne neues Erbbaurecht. Die Stadt kann dann selbst über Wärmepreise und ein neues Erbbaurecht verhandeln.

Möglichst viele Fernwärmekunden sollten der IG beitreten.

Schwalbacher Eigentümer können selbst ein Zeichen setzen und dafür sorgen, dass die auf den Grundstücken in der Limesstadt immer noch eingetragenen Dienstbarkeiten für die frühere Erbbauberechtigte RWE gelöscht werden.

Hilfestellung dazu und weitere Informationen erhalten Sie an den Info-Ständen der Grünen, freitags ab 15.30 Uhr und samstags ab 10.00 Uhr.

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Kommentare

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Jetzt soll der Minister helfen
Das Tauziehen um das Grundstück des Heizkraftwerks geht in die nächste Runde. Dieter Posch (FDP) soll nun Bewegung in die verfahrene Situation zwischen NH, RWE und der Stadt bringen.

http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/jetzt-soll-der-minister-helfen_rmn0...

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Jetzt soll der Minister helfen 8aus der Frankfurter Neuer Presse)
Das Tauziehen um das Grundstück des Heizkraftwerks geht in die nächste Runde. Dieter Posch (FDP) soll nun Bewegung in die verfahrene Situation zwischen NH, RWE und der Stadt bringen. Von Kristiane Huber

Schwalbach. Fast sinnbildlich: Düstere Wolken hängen über dem Fernwärme-Kraftwerk in der Adolf-Damaschke-Straße. Die Situation um das Heizkraftwerk in der Limesstadt ist verzwickt: Das Grundstück gehört der Nassauischen Heimstätte (NH), per Erbbaupachtvertrag verfügt aber der Fernwärmeversorger RWE darüber und will diesen verlängern. Die Stadt indes ist entschlossen, das Grundstück selbst zu kaufen. Eine Gemengelage, von der noch unklar ist, wie sie ausgeht.

Wegen des Verdachts auf monopolitischen Preismissbrauch in Schwalbach beschäftigt sich das Bundeskartellamt mit RWE. Die Stadt möchte deshalb künftig im Bezug auf die Wärmekosten nicht mehr von Entscheidungen Dritter abhängig sein, sondern will das Areal erwerben, um eine marktgerechte Preisgestaltung selbst durchsetzen zu können. Dabei wird derzeit politisch auch diskutiert, ob künftig die Fernwärmeversorgung in der Limesstadt mit der RWE oder einem anderen Heizwerkbetreibern als Partner erfolgen soll.

Doch die Grundstücks-Kaufverhandlungen zwischen der Stadt und der NH sind offenbar ins Stocken geraten. «Die Stadt ist in dieser Sache ständig am Ball. Aber wir sind seit längerem mit Verzögerungen konfrontiert», sagt Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD) diplomatisch. Unter anderem sei für Anfang Februar ein Dreiergespräch zwischen der NH, RWE und der Stadt vereinbart gewesen, das von RWE abgesagt worden sei, so die Rathauschefin. Ein neuer Termin ist laut Augsburger noch nicht vorgeschlagen worden. Die Stadt werde aber unabhängig davon mit der NH die Kaufverhandlungen weiter führen.

Gespräche zu dritt

NH-Sprecher Jens Duffner bestätigt gegenüber dem Kreisblatt, dass es einen neuen Termin für eine solche Dreier-Runde geben soll. «RWE ist derzeit unserer Vertragspartner. Daher sprechen wir nicht nur mit der Stadt, sondern auch mit RWE. Der Gesprächsfaden zur Stadt ist dabei aber nie abgerissen», sagt Duffner. «Wir sind um eine Lösung bemüht, die für unsere Mieter in der Limesstadt marktgerechte Wärmepreise sicherstellt. Das ist unsere Bedingung», erläutert Duffner den NH-Standpunkt.

Mit einem Brief an den Hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) hat sich jetzt Kordula Schulz-Asche, Landtagsabgeordnete der Grünen aus dem Main-Taunus-Kreis, für die Kaufabsicht des Heizwerkareals durch die Stadt stark gemacht. Sie fordert von Posch, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der NH ist, eine konkrete Unterstützung der Stadt in den Verhandlungen. Schulz-Asche vermutet, dass die Verhandlungen keineswegs auf einem guten Weg sind. «Statt über die Übernahme des Grundstücks durch die Stadt Schwalbach verhandelt die Nassauische Heimstätte anscheinend mit RWE über eine Verlängerung des Erbpachtvertrags. Im Ergebnis heißt dies, dass die Nassauische Heimstätte die Rechtsstellung des Monopolversorgers RWE gegenüber der Stadt und den Schwalbacher Stromkunden weiter stärkt. Dies ist nicht im Sinne einer transparenten Tarif- und Vertragspolitik», kritisiert die Landespolitikerin. Und dies ist nicht im Sinne der Schwalbacher, meint Schulz-Asche: Deshalb bittet sie den Minister, sich für die Interessen der Bürger einzusetzen.

Artikel vom 06. März 2011, 20.39 Uhr (letzte Änderung 07. März 2011, 04.14 Uhr)

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